Bürgerinitiative TechnologieQuartier

Das Gewerbegebiet TechnologieQuartier (TQ) in Bochum soll erweitert werden.

Wir setzen uns gegen den Bebauungsplan 1039 zur Wehr. Unsere größten Bedenken betreffen die zu erwartenden Auswirkungen auf die Wohnqualität – insbesondere durch zusätzlichen Verkehr.

Derzeit ist das TechnologieQuartier (TQ) auf zwei Seiten an die Universitätsstraße angebunden: im Osten über den Hustadtring und im Westen über die Schattbachstraße.

Nach den aktuellen Planungen soll die östliche Anbindung auf der Südseite der Universitätsstraße zurückgebaut werden. Damit würde sich die Zahl der Zuwegungen für das TQ halbieren – obwohl im Zuge der Erweiterung mit einem steigenden Verkehrsaufkommen zu rechnen ist.

Zudem würde ein Großteil des Verkehrs im Stadtteil künftig nicht mehr über den bislang nahezu anwohnerfreien südlichen Hustadtring verlaufen, sondern durch das Wohngebiet entlang der Schattbachstraße geführt. Für die Anwohnerinnen und Anwohner hätte dies voraussichtlich eine erhebliche zusätzliche Belastung durch Lärm und Luftschadstoffe zur Folge.

Wir haben grundsätzlich Verständnis für die Schaffung neuer Arbeitsplätze, insbesondere im hochschulnahen Umfeld. Es erscheint jedoch widersprüchlich, bestehende Wohngebiete durch eine unzureichende Verkehrsplanung abzuwerten. Denn auch die Beschäftigten des TQs sind auf lebenswerte Quartiere angewiesen.

Zusätzliche wirtschaftliche Nutzflächen ließen sich in einem gewissen Rahmen auch ohne Eingriffe in die bestehende Verkehrsinfrastruktur schaffen – etwa durch eine dichtere Bebauung und die konsequente Nutzung bereits versiegelter Flächen. Auf diese Weise könnte der Baumbestand im Bereich der im Bereich der Zufahrten erhalten und zugleich kostenintensiver Straßenbau vermieden werden.

Zudem bleibt unklar, wie hoch der aktuelle und zukünftige Bedarf an zusätzlichen Gewerbeflächen tatsächlich ist.

Die Arbeitswelt – insbesondere im akademischen Umfeld – ist seit der COVID-Pandemie von Homeoffice-Regelungen geprägt. Unternehmen haben dafür massiv in ihre digitale Infrastruktur investiert 1. Diese Entwicklung führt bereits heute vielerorts zu Leerständen von Gewerbeimmobilien, wie Studien namhafter Institute belegen 2.
Dieser erneute Strukturwandel muss bei Bedarfsanalysen und Prognosen zwingend berücksichtigt werden.

Auch aus ökologischer Sicht ist das Vorhaben kritisch zu bewerten. In den vergangenen Jahren wurden Naturflächen im Umfeld von Universität und Hochschule zunehmend an den Stadtrand verdrängt. Gerade am Rand der dicht bebauten Hustadt sind Grünflächen jedoch von zentraler Bedeutung für Lebensqualität und Naherholung.

Durch die geplante Bebauung würden über 30.000 m² Wildwiesenfläche sowie mehrere hundert Bäume verloren gehen. Bereits angelegte Ausgleichsflächen müssten absurderweise erneut verlegt werden. Aspekte wie Ökologie, Klimaschutz und Naherholungswert sollten daher gleichberechtigt in die Planung einfließen.

Aktuelle Beiträge:

Quellen:

  1. Hans Böckler Stiftung, Home Office bleibt, Ausgabe 02/2023: https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-homeoffice-bleibt-46503.htm?utm_source=chatgpt.com ↩︎
  2. IFO-Institut, Pressemitteilung vom 16. Mai 2025:
    Jedes vierte Unternehmen meldet zu geringe Auslastung der Büroflächen | Pressemitteilung | ifo Institut ↩︎