Die Umweltgruppe der Bürgerinitiative konnte den Biologen Martin Lensing kurzfristig für eine Führung über die vom Bebauungsplan 1039 bedrohte Wiese gewinnen.
Vielen Nachbarn ist das Areal vom Spazierengehen bekannt, deswegen war es um so interessanter, wie das Kleinod am Königsbüscher Wäldchen in den Augen eines Experten darsteht.
Relativ spontan bekundete WAZ-Redakteur Andreas Rorowski sein Interesse, über die Aktion zu berichten, so dass es am Samstag, den 18.07.2026 um 12 Uhr zu einem Treffen am „toten Ende“ des Hustadtrings kam. Es fanden sich ca. 60 Teilnehmer ein, was für Samstagmittag und einer Bekanntmachung am Vorabend ein sehr respektables Ergebnis ist.

Vom Hustadtring ging es dann über ein kurzes Stück über die Straße „Vor den Teichen“ zum waldnahen Teil der Wiese.

Auf der Wiese versammelten sich alle Interessenten um Martin Lensing. Ein enger Pfad durch hochstehendes Gras und Hochstauden ist natürlich nicht für 60 naturkundlich Interessierte Menschen „ausgelegt“, so dass es eine ganze Weile dauerte, bis sich alle so im Halbkreis aufgestellt hatten, dass sie den Worten des Biologen lauschen konnten.

Von dem gewählten Standort hat man einen guten Blick über die mehr als 3 Hektar große Wiese und den angrenzenden Wald. Es lässt sich erkennen, dass die Bäume auf der Wiese vor ca. 30 Jahren bewusst angepflanzt wurden, da sie in sehr regelmäßigen Abständen stehen. Dieser Eindruck kommt dadurch zustande, dass das gesamte Areal bereits eine Ausgleichfläche ist. Als das jetzige TQ erschlossen wurde wurden hier Ausgleichpflanzungen für die versiegelten Naturflächen vorgenommen.
Neben gutentwickelten Walnussbäumen stehen hier Kastanien, Rosskastanien, Obstbäume und Ebereschen. Teilweise lässt ihr Wuchs laut Martin Lensing auf verdichtete Bodenverhältnisse schließen, was auf eine menschliche Vornutzung schließen lässt.
Auf der Haben-Seite stehe hingegen, dass der Wiese seit mehr als 30 Jahren Pestizid und Düngemittelbehandlung erspart geblieben sei, erklärte der Biologe, wodurch sich ein Lebensraum für Insekten ergeben habe, der seinesgleichen in Bochum sucht.

Das konnte jeder Teilnehmer eindrücklich erleben. Überall schwirrten Bienen, Hummeln und Schmetterlinge umher, in einer Vielfalt, die viele sonst nur vom Wanderurlaub in weit entlegeneren Regionen Europas kennen.

Vorteilhaft sind hier die hohen Staudengewächse mit ihren Blüten, die stark davon profitieren, dass die Wiese nicht gemäht und nur im Herbst mit Schafen beweidet wird.
Aber nicht nur die Wirbellosen sind auf dem Areal zu finden. Genutzt wird die Wiese auch als Jagdgebiet von Raubvögeln aus dem benachbarten Wald und dem Steinbruch am Kalwes. So kann man regelmäßig Habicht, Mäusebussard, Turmfalke und Sperber in der Luft beobachten und etwas seltener auch einen Uhu.
Das Königsbüscher Wäldchen selber ist ein Naturschutzgebiet mit ungewöhnlich hohem ökologischen Wert. Das liegt zum einen am Wasserlauf im Wald, ein Siepen, der im oberen Teil gespeist wird und ein paar hundert Meter weiter wieder in einem Sumpfgebiet versiegt. Zum anderen liegt es daran, dass der Wald seit Langem unbewirtschaftet ist. Die zahlreichen umgefallenen toten Bäume stehen dann wieder am Anfang eines neuen Lebenszyklus.

Ein unregelmäßiger Gast ist der Neuntöter, ein selten anzutreffener Zugvogel, der in manchen Jahren auf genau dieser Wiese Rast macht. Leider wurde er in diesem Jahr noch nicht beobachtet.
Am westlichen Rand der Wiese befindet sich ein Rückhaltebecken für das Oberflächenwasser aus dem TQ. Das hier gesammelte Regenwasser bildet einen kleinen Teich, der von Amphibien als Laichgewässer zur Fortpflanzung genutzt wird. Zu nennen sind hier der grüne Laubfrosch und der Feuersalamander. Letzterer ist in Mitteleuropa akut durch einen eingeschleppten Pilz bedroht.

Strukturelle Bedeutung hat die Wiese vor allem als Teil des Grünzugs als Verbindung zwischen Kemnader See und dem oberen Ölbachtal. Auf Bochumer Stadtgebiet gibt es nur zwei mögliche Nord-Süd-Querungen, die eine ist das Weitmarer Forstgebiet, die andere liegt hier in Querenburg.
Redakteur Andreas Rorowski brachte die Frage auf, wievielen Teilnehmern die ökologische Bedeutung der Wiese bekannt gewesen ist. Die Reaktion der meisten war eindeutig: Den Allermeisten ging es wohl so, dass sie an diesem Tag zumindest einiges dazu gelernt haben.

Unser Dank für diesen schönen und gleichsam informativen Tag gebührt Martin Lensing.

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